Dienstanweisung im Sicherheitsdienst: Was drinsteht und warum sie entscheidend ist

Dienstanweisung im Sicherheitsdienst: Was drinsteht und warum sie entscheidend ist | Kulig Security
Sicherheitsmitarbeiter liest Dienstanweisung am Empfang eines Industriebetriebs
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Dienstanweisung im Sicherheitsdienst: Was drinsteht und warum sie entscheidend ist

Mittwochnacht, 1:20 Uhr. Ein Sicherheitsmitarbeiter steht vor der Tür eines Serverraums. Die Tür ist angelehnt, obwohl sie verschlossen sein sollte. Er hat keinen Schlüssel für diesen Bereich. In seiner Dienstanweisung steht nichts über den Serverraum. Also geht er weiter.

Am nächsten Morgen stellt die IT fest: Drei Server sind ausgefallen, weil die Klimaanlage defekt war und die Raumtemperatur auf 48 Grad gestiegen ist. Schaden: 120.000 Euro. Der Sicherheitsmitarbeiter hat nichts falsch gemacht — er hat genau das getan, was in seiner Dienstanweisung stand. Das Problem war die Dienstanweisung.

Kurz zusammengefasst: Die Dienstanweisung ist das zentrale Dokument jeder Sicherheitsdienstleistung. Nach § 4 DGUV Vorschrift 23 und § 10 BewachV ist sie Pflicht. Sie regelt, was der Sicherheitsmitarbeiter tun darf, tun muss und lassen soll. Eine gute Dienstanweisung verhindert Schäden. Eine schlechte schafft Haftungsrisiken.

Was genau ist eine Dienstanweisung?

Eine Dienstanweisung ist ein verbindliches Dokument, das die Aufgaben, Befugnisse und Verhaltensregeln eines Sicherheitsmitarbeiters für ein bestimmtes Objekt definiert. Sie ist kein allgemeiner Verhaltenskodex — sie beschreibt konkret, was an diesem Objekt, in dieser Schicht, mit diesen Mitteln zu tun ist.

Die rechtliche Grundlage bilden zwei Vorschriften:

  • § 4 DGUV Vorschrift 23 (Wach- und Sicherungsdienste): Der Arbeitgeber muss das Verhalten der Sicherheitskräfte — einschließlich des Meldens von Mängeln und besonderen Gefahren — durch Dienstanweisungen regeln. Das Personal muss vor Arbeitsbeginn und danach regelmäßig nach diesen Anweisungen unterwiesen werden.
  • § 10 Bewachungsverordnung (BewachV): Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Tätigkeiten anhand von Dienstanweisungen zu konkretisieren. Auftraggeberseitige Weisungen, die über den Leistungsumfang hinausgehen, dürfen nicht befolgt werden.

Keine Empfehlung, kein „Nice-to-have“ — Pflicht.

Welche Arten von Dienstanweisungen gibt es?

In der Praxis hat sich eine Zweiteilung etabliert, die DIN 77200 als Standard für Sicherungsdienstleistungen bestätigt:

Allgemeine Dienstanweisung: Gilt für alle Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens, unabhängig vom Einsatzort. Sie regelt generelle Verhaltensgrundsätze: Auftreten, Kommunikation, Umgang mit Waffen und Hilfsmitteln, Verhalten bei Straftaten, Notwehrrecht, Schweigepflicht, Dokumentationspflichten. Erstellt vom Sicherheitsunternehmen.

Objektbezogene Dienstanweisung (Objektanweisung): Gilt spezifisch für ein Objekt. Sie beschreibt die konkreten Abläufe: Welche Türen werden wann abgeschlossen? Wo sind die Kontrollpunkte? Welche Bereiche sind nachts tabu? Wer wird bei einem Brand angerufen — in welcher Reihenfolge? Erarbeitet gemeinsam mit dem Auftraggeber, weil nur er die betrieblichen Besonderheiten kennt.

Der entscheidende Punkt: Objektbezogene Dienstanweisungen sind keine starren Dokumente. Sie beschreiben dynamische Prozesse und müssen regelmäßig überprüft und angepasst werden — wenn sich Abläufe ändern, neue Bereiche hinzukommen oder Risiken sich verschieben.

Was muss in einer professionellen Dienstanweisung stehen?

Eine Dienstanweisung nach DIN 77200 und DGUV Vorschrift 23 enthält mindestens diese Elemente:

  • Objektbeschreibung und Lageplan: Grundriss, Zugänge, Fluchtwege, Gefahrenbereiche, Standorte von Feuerlöschern und Erste-Hilfe-Material
  • Tätigkeitsbeschreibung: Kontrollpunkte, Rundgangintervalle, Schichtzeiten, Aufgaben bei Schichtübergabe
  • Befugnisse und Grenzen: Was darf der Mitarbeiter tun (Personen ansprechen, Bereiche sperren)? Was darf er nicht (Reparaturen durchführen, Maschinen bedienen)?
  • Meldeketten: Wer wird bei welchem Vorfall informiert — in welcher Reihenfolge? Telefonnummern, Vertreterregelungen
  • Schlüsselregelung: Welche Schlüssel werden übergeben, wo verwahrt, wie dokumentiert?
  • Dokumentationspflichten: Was wird im Wachbuch eingetragen? Welche Formulare werden genutzt? Wie erfolgt die digitale Dokumentation?
  • Verhalten bei besonderen Vorkommnissen: Brand, Einbruch, Vandalismus, medizinischer Notfall, Stromausfall, unbefugte Personen
  • Arbeitssicherheit: PSA-Pflicht, Alleinarbeitsplatz-Regelungen, Verhalten bei Dunkelheit und schlechtem Wetter

Was oft fehlt — und dann teuer wird: die Aktualisierung. Eine Dienstanweisung von 2019, die den Serverraum nicht erwähnt, den es seit 2021 gibt, ist wertlos. Die beste Dienstanweisung ist die, die alle drei bis sechs Monate überprüft wird.

Warum ist die Dienstanweisung für Auftraggeber so wichtig?

Die Dienstanweisung ist nicht nur ein internes Dokument des Sicherheitsunternehmens. Sie ist die vertragliche Grundlage dafür, was der Auftraggeber erwarten darf.

Haftung: Wenn ein Schaden eintritt, prüft der Versicherer, ob der Sicherheitsdienst seine vertraglichen Pflichten erfüllt hat. Ohne Dienstanweisung gibt es keinen Nachweis, was vereinbart war. Der Auftraggeber sitzt ohne Dokumentation da — und der Versicherer kürzt die Leistung.

Qualitätskontrolle: Nur was schriftlich definiert ist, lässt sich überprüfen. Wie sollen Sie wissen, ob der Sicherheitsmitarbeiter seinen Job macht, wenn nirgends steht, was sein Job ist? Digitale Wächterkontrollsysteme — die jeden Kontrollpunkt und jede Rundgangzeit dokumentieren — funktionieren nur in Verbindung mit einer Dienstanweisung, die diese Kontrollpunkte definiert.

Personalwechsel: Sicherheitsmitarbeiter wechseln. Die Branche hat eine hohe Fluktuation. Eine gute Dienstanweisung sorgt dafür, dass der neue Mitarbeiter am ersten Tag weiß, was er tun muss — ohne wochenlange Einarbeitung durch den Auftraggeber.

Fragen Sie Ihren Sicherheitsdienst nach der Dienstanweisung für Ihr Objekt. Wenn er keine hat, haben Sie ein Problem. Wenn er eine hat, lesen Sie sie. Wenn Sie nicht verstehen, was drinsteht, haben Sie ebenfalls ein Problem.

Woran erkennen Sie eine gute Dienstanweisung?

Drei Merkmale, die eine professionelle Dienstanweisung von einem Alibi-Papier unterscheiden:

Konkretheit: „Kontrollgang alle zwei Stunden“ ist besser als „regelmäßige Kontrollen“. „Tor 3 nach 22 Uhr abschließen, Schlüssel im Tresor Raum 104“ ist besser als „Tore sichern“. Je konkreter, desto weniger Interpretationsspielraum — und desto weniger Fehler.

Aktualität: Eine Dienstanweisung mit Datum und Revisionsstand zeigt, dass sie gepflegt wird. Mindestens halbjährliche Überprüfung, Anpassung bei betrieblichen Änderungen und eine dokumentierte Kenntnisnahme durch jeden Mitarbeiter — das sind die Merkmale eines professionellen Sicherheitsdienstes.

Praxisbezug: Die Dienstanweisung muss von jemandem geschrieben sein, der das Objekt kennt. Nicht vom Schreibtisch aus, sondern nach einer Vor-Ort-Begehung. Bei Kulig Security wird jede Objektanweisung gemeinsam mit dem Auftraggeber erarbeitet — bei einem persönlichen Termin vor Ort, nicht per E-Mail.

Wie hängt die Dienstanweisung mit DIN 77200 zusammen?

DIN 77200 (Sicherungsdienstleistungen) definiert Mindestanforderungen an die Planung und Durchführung von Sicherheitsdienstleistungen. Die Norm wurde 2022 in ihrer aktuellen Fassung veröffentlicht und gliedert sich in drei Teile.

Teil 1 stellt allgemeine Anforderungen an stationäre Sicherheitsdienste (Alarmdienst, Empfangsdienst, Kontrolldienst) und mobile Sicherheitsdienste (Streifendienst, Interventionsdienst). Dienstanweisungen sind dabei ein zentraler Prüfpunkt bei der Zertifizierung. Ein Sicherheitsunternehmen, das nach DIN 77200 zertifiziert ist, muss nachweisen, dass für jedes Bewachungsobjekt objektspezifische Dienstanweisungen existieren und regelmäßig aktualisiert werden.

Für Auftraggeber ist die Zertifizierung ein Qualitätsindikator. Aber: Auch ohne Zertifizierung kann ein Sicherheitsunternehmen hervorragende Dienstanweisungen erstellen. Die Norm beschreibt den Mindeststandard — die Praxis entscheidet über die Qualität.

Was passiert, wenn die Dienstanweisung fehlt oder veraltet ist?

Die Konsequenzen treffen beide Seiten — den Sicherheitsdienst und den Auftraggeber:

Für den Sicherheitsdienst: Die BG Verkehr (Verwaltungsberufsgenossenschaft) kann bei Verstößen gegen DGUV Vorschrift 23 Bußgelder verhängen. Im Schadensfall fehlt der Nachweis, dass der Mitarbeiter ordnungsgemäß unterwiesen wurde. Die Haftung verschärft sich erheblich.

Für den Auftraggeber: Ohne Dienstanweisung kann der Auftraggeber nicht belegen, welche Leistung vereinbart war. Der Bewachungsvertrag allein reicht nicht — er beschreibt den Rahmen, nicht die operative Umsetzung. Im Schadensfall argumentiert der Versicherer: Wenn Sie nicht definiert haben, was der Sicherheitsdienst tun soll, können Sie auch nicht behaupten, dass er versagt hat.

Für den Sicherheitsmitarbeiter: Ohne klare Anweisung handelt er nach eigenem Ermessen. Das klingt nach Eigeninitiative — ist aber ein Haftungsrisiko. Denn: „Versicherte dürfen keine Tätigkeiten ausführen, die nicht in der besonderen Dienstanweisung festgelegt sind“ (§ 4 DGUV Vorschrift 23). Wer ohne Auftrag handelt, ist nicht versichert.

Häufige Fragen zur Dienstanweisung

Was ist eine Dienstanweisung im Sicherheitsdienst?

Ein verbindliches Dokument, das Aufgaben, Befugnisse und Verhaltensregeln für ein bestimmtes Bewachungsobjekt definiert. Gesetzlich vorgeschrieben durch § 4 DGUV Vorschrift 23 und § 10 BewachV.

Was muss in einer Dienstanweisung stehen?

Objektbeschreibung, Lageplan, Tätigkeitsbeschreibung mit Kontrollpunkten, Befugnisse und Grenzen, Meldeketten, Schlüsselregelung, Dokumentationspflichten, Verhalten bei besonderen Vorkommnissen und Arbeitssicherheitsregeln.

Wer erstellt die Dienstanweisung?

Die allgemeine Dienstanweisung erstellt das Sicherheitsunternehmen. Die objektbezogene Dienstanweisung wird gemeinsam mit dem Auftraggeber erarbeitet — nur er kennt die betrieblichen Besonderheiten.

Was passiert ohne Dienstanweisung?

Der Sicherheitsmitarbeiter weiß nicht, was er tun soll. Der Auftraggeber kann keine Leistung nachweisen. Im Schadensfall fehlt die Dokumentation. Die BG Verkehr kann Bußgelder verhängen. Der Versicherer kann Leistungen kürzen.

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